Der fast volle Mond über den Werd-Inseln im Hochrhein

Zwei Tage vor dem im Kalender eingetragenen Datum des perfekt runden Vollmonds ging der Trabant bei ausreichendem Rest-Tageslicht auf, so dass die Inseln im Rhein noch klar erkennbar waren; spontan entschied ich mich, die romantisch-verklärte Stimmung in einem Schwarzweiss-Bild festzuhalten. Faszinierend tief hing der Mond über dem Rhein und sein Licht spiegelte sich silbern im ruhig dahinfliessenden Wasser des Flusses.

Gestört wurde das Idyll bloss von einer Myriade kleiner aggressiver Stechmücken, die sich in wildem Blutrausch auf mich stürzten. Während ich den Auslöser der Camera für die mehrere Sekunden dauernde Belichtung sorgfältig drückte, ohne dabei eine Erschütterung zu verursachen, konnte ich im Dämmerlicht ein gutes Dutzend der kleinen Biester beobachten, wie sie sich gierig auf meinem Unterarm niederliessen und zustachen. An Widerstand war angesichts der Verwacklungsgefahr natürlich nicht zu denken.
Rasch machte ich einige Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen, zwischen denen ich reichlich erfolglos versuchte, die Moskitos zu verscheuchen.

Spontan musste ich an Cicero’s “de finibus” denken, worin der römische Denker unter Anderem zum Ausdruck bringt, dass es gelegentlich notwendig sei, ein kleineres Übel zu akzeptieren, um zu einem grösseren Wohl zu gelangen. Wie im richtigen Leben.
Ich war trotzdem heilfroh, dass ich den Ort meines Blutopfers nach relativ kurzer, aber als sehr lang empfundener Zeit wieder verlassen konnte.

Als ich tags darauf den entwickelten Film betrachtete, waren die Mückenstiche tatsächlich längst vergessen – das Bild vom Mondaufgang wird bleiben. Und die Geschichte dazu erhöht sogar dessen Erinnerungswert.

Das Bild ist selbstverständlich als Grusskarte erhältlich!